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  • Sascha Wagner

Männer und Emotionen

Emotionen….was ist das überhaupt? Laut Wikipedia:


„Emotion bezeichnet eine Gemütsbewegung im Sinne eines Affektes. Sie ist ein psychophysiologisches, auch psychisches Phänomen, das durch die bewusste oder unbewusste Wahrnehmung eines Ereignisses oder einer Situation ausgelöst wird. Das Wahrnehmen geht einher mit physiologischen Veränderungen, spezifischen Kognitionen, subjektivem Gefühlserleben und reaktiver Verhaltenstendenz des Menschen.“


Emotionen sind also Affekthandlungen. Sprich, wir reagieren auf unsere Umwelt psychisch und physisch. Im Körper entstehen unzählige Abläufe. Botenstoffe werden ausgeschieden und empfangen. Muskeln entspannen oder ziehen sich zusammen. Unser Hungergefühl und andere Körperfunktionen verändern sich. Das Herz schlägt schneller oder langsamer. Wir können anfangen zu schwitzen. Auch die Wahrnehmung für unsere Umwelt verändert sich. Es hat Auswirkung auf unsere Konzentration oder wie wir Situationen, in denen wir uns befinden beurteilen und werten. Unsere Haltung verändert sich.

Wenn man sich das bis ins Detail ansieht, was sich alles verändert, kann einem schwindelig werden. Denn die Reaktionsprozesse sind unüberschaubar. Häufig wissen wir gar nicht bewusst, warum wir so reagieren. Wird eine Erinnerung abgerufen und meine Emotionen sind daran gekoppelt, oder hat es etwas mit einer neuen Erfahrung zu tun?


Ich möchte das an einem persönlichen Beispiel erklären. Meine Reaktion auf Wasser…. Wie ich als Kind schwimmen lernte, bin ich einmal fast ertrunken. Ich weiss noch sehr wohl wie es sich angefühlt hat, unter Wasser zu sein und ich konnte nicht nach oben. Die Lungen haben sich mit Wasser gefüllt und mir wurde schwarz vor Augen. Es war schmerzhaft, nicht mehr atmen zu können. Da war so viel Panik in mir. Sie haben mich aus dem Wasser gefischt und mir das Wasser aus den Lungen herausgedrückt. Und ich kann mich sehr gut an meine Angst erinnern. Natürlich habe ich schwimmen gelernt, ich liebe das Tauchen, diese Stille unter Wasser. Ich liebe den Sprung ins Wasser, diese plötzliche Frische und Klarheit. Doch seit diesem Tag ist auch immer wieder die Angst vor Wasser dabei. Manchmal ist sie fast nicht mehr spürbar, doch manchmal ist sie mir so präsent, dass ich die Panik von damals in mir spüre. Sie ist dann eine Reaktion auf das was ich einmal erlebt habe. Und sie beeinflusst in diesem Moment mein Handeln. Ich bin nicht mehr so selbstsicher, ich bin vorsichtiger, ich bin reizbarer.


Wenn solche ehemaligen Erfahrungen unser heutiges Leben beeinflussen, können wir in diesen Momenten meist nicht unser volles Potential entfalten. Sei es in Beziehungen, auf der Arbeit oder in unseren persönlichen Interessen. Wir haben uns ein Muster antrainiert. Aus Angst, aus Lust und Verlangen, weil dieses Muster uns eine Möglichkeit geboten hat, mit einer Situation umzugehen. Manche Muster sind gut so wie sie sind, weil sie auch vielleicht noch gebraucht werden. Z.B. zum Schutz. Doch häufig sind sie überflüssiger Ballast, den wir mit uns herumschleppen. Ganz gravierend ist das in Beziehungen so.


Wir haben in unserer Kindheit „gelernt“ wie wir mit Verletzungen umgehen. Wir haben gelernt wie wir mit unseren Bedürfnissen umgehen. Wir haben gelernt wie wir mit unserer Wut oder mit unserer Freude umgehen. Da diese Gefühle meist in einer Abhängigkeit gebunden waren (schliesslich waren wir von unseren Eltern abhängig), sind auch heute noch unsere Verhaltensweisen meist in einer Abhängigkeit gebunden. Z.B. der unerfüllte Wunsch nach Liebe, oder die Massregelung wenn wir als Kind wütend gewesen sind. Als Kinder haben wir uns angepasst. Wir haben es jedoch häufig verpasst, dass wir nicht mehr das Kind sind, dass sich damals in der Abhängigkeit befunden hat. Wir sind nun eigenverantwortlich. Und dennoch spielen wir heute noch unsere Muster ab. In übermässigen Konsum, oder in angestauter Wut, in Angepasstheiten, oder in dem Gefühl nicht richtig zu sein. Das bewusste Ansehen dieser Muster und der verantwortliche Umgang mit den eigenen Gefühlen bzw. Emotionen, kann uns aus diesen Zuständen befreien und wir können wieder mehr bei uns sein. Und dieses „Ansehen“ funktioniert am besten, wenn wir Neues einlassen, wenn wir uns öffnen, für das, was in uns ist.


Wir Männer kämpfen damit. Wir sehen uns konfrontiert mit den Erwartungen und Erfordernissen. Man sagt Männern nach, sie können nicht über ihre Emtionen und Gefühle sprechen und wenn, dann wirkt es häufig unauthentisch: Wir reden unsere Gefühle klein, weil wir stark dastehen wollen, oder wir reden sie Groß, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Und wenn wir gar nicht darüber reden, dann spalten wir uns auch von unseren Gefühlen ab. Doch wir Männer können darüber reden. Es ist wichtig, dass wir darüber reden.


Auf dem Bild seht ihr zwei Männer in Griechenland. Der eine fuhr jeden Morgen mit seiner Harley vor das Café und trank dort seine Milch. Eines Morgens kam sein Freund dazu und hat ihn angesprochen, ihm einen Kaffee ausgegeben und wild gestikulierend auf ihn eingeredet. Und ich habe bemerkt, wie er sich immer mehr öffnen und seinen geknickten Blick immer mehr aufrichten konnte. Sein Kumpel hat ihm die Meinung gegeigt, hat ihn dort abgeholt wo er steht. Und plötzlich war er da und er war wieder lebendig.


Wir Männer brauchen das. Ehrliche Worte, Offenheit, das Gefühl ich werde gesehen, das Gefühl ich darf so sein wie ich gerade bin und mein Gegenüber hat den Mut ehrlich mit mir zu sein. Und nach und nach gehen immer mehr die Türen auf und wir stoßen auf unseren wunden Punkt, ohne diese ganzen Schwanzvergleiche, ohne Konkurrenz, ohne das „ich bin der Grösste“-Verhalten. Dann sind wir ehrlich und etwas kann sich in uns lösen.


Ich finde es super, so mit jemanden zu reden. Sagt uns Männern eure Meinung. Traut uns zu, dass wir damit umgehen können und wenn wir es noch nicht können, so wollen wir es zumindest lernen. Seid empfänglich für unsere Emotionen und ihr stosst offene Türen bei uns ein, auch wenn wir manchmal dafür noch nicht offen sein können. Ich freu mich auf euch.


Sascha

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