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  • Sascha Wagner

Ich sehe Dich ... Teil 2

Ich sehe Dich. Was sagt das?


In meiner Praxis sehe ich Menschen, die verängstigt, wütend, traurig oder freudig sind. Ich sehe sie. Und dennoch fühlen wir uns doch nicht immer gesehen. Manchmal möchten wir auch gar nicht gesehen werden. Dann empfinden wir es als übergriffig, wenn uns ein Mensch sieht und wahrnimmt.


Ich habe schon vom Höhlenmodus erzählt, der Moment in dem ich mich verkriechen möchte. Da möchte ich nicht gesehen werden. Und dies aus zweierlei Gründen. Zum einem, weil ich nicht möchte, dass mich jemand in diesem Zustand sieht. Natürlich möchte ich freudig, kraftvoll, liebevoll und stark dastehen. Ich möchte nicht, dass mich jemand in meiner gefühlten Schwäche sieht. Zum einem, weil ich es schon schwer mit mir selbst aushalte und zum anderem, weil ich in diesen Momenten niemanden zur Last fallen möchte.


Der andere Grund ist, ich möchte niemanden anderen sehen, da ich in meinen schwachen Momenten, nichts von anderen wahrnehmen möchte. Ich möchte mir nicht ihre Geschichten anhören, ich möchte mich nicht mit ihren Gefühlen belasten, ich möchte nicht ihre Themen sehen, da sie mich in diesen Moment von mir selbst ablenken und meinen Fokus auf das Außen richten. Ich brauche in diesen Momenten meine Kraft für mich. Ich sammle mich und möchte mich um meine Gefühle kümmern. Naja und dann ist es auch so, dass wenn ich mich in meinem Höhlenmodus befinde, auch eher das Gefühl habe, nicht gesehen zu werden. Dann wäre jeder Blick auf mich auch gefühlt übergriffig.


Doch was passiert eigentlich, wenn ich jemanden „sehe“. Manche empfinden es wie einen Eingriff in ihre private Sphäre, wenn sie gesehen werden. Als wenn ich eine Sonde ausfahre und sie mit einer Nadel punktiere. Der Prozess des Sehens ist jedoch eine andere Form des Wahrnehmens. Ich kann in niemanden „Eindringen“, wenn ich sehe oder jemanden spüre. Er ist passiv. Ich öffne mich für mein Gegenüber. Ich höre, ich sehe, ich rieche, ich nehme ihn wahr. Ich kann meinen Geist und meinen Körper für mein Gegenüber öffnen, indem ich in mir spüre was er mir zeigt. Ich spüre seine Gefühle in mir, ich spüre seinen Schmerz und seine Freude zusammengesetzt aus der Melange von Informationen, die er aussendet. Und auf der anderen Seite?


Wir glauben immer wieder, dass wir nicht sichtbar sind. Wir glauben, wir können gar nicht wahrgenommen werden, da wir doch nichts sagen, oder denken wir zeigen doch gar nichts. Doch wir zeigen uns auf vielen verschiedenen Ebenen. Da gibt es zum einen die grobstoffliche physische Ebene. Jemand gibt uns die Hand, winkt uns zu, schüttelt mit dem Kopf, klopft uns auf die Schulter. Alleine diese Ebene der Informationen, die jemand aussendet, beinhaltet in jedem Moment tausende zusätzlicher Informationen. Wie gibt er uns die Hand, ist sie feucht, wie stark drückt er zu, ist der Kontakt kurz oder lang, ist die Hand warm oder kühl. Alleine der Händedruck ist ein Sammelsurium an Informationen. Und dies gilt für alle physischen Formen im Einzelnen. Eine Kombination aller Kontakte der physischen Ebene ist schon unüberschaubar. Doch das sind nur die erspürbaren physischen Einwirkungen. Manche können wir bewusst steuern, doch vieles geschieht im Unbewussten. Z.B. wenn meine Hände vor Aufregung schwitzen, habe ich wenig Möglichkeiten diese zu beeinflussen.


Dann gibt es die subtileren physisch, chemischen Informationen. Bekannt sind z.B. die Pheromone die wir ausströmen, wenn wir auf eine Situation reagieren. Ich verliebe mich, ich bin gestresst, ich habe Angst, ich bin traurig, ich freue mich. Dies alles hat eine Auswirkung auf meinen Körper und dieser reagiert mit Ausschüttungen der verschiedensten Stoffe. Geruchsstoffe, Hormone, Enzyme, Proteine und vieles mehr. Und die können von jedem wahrgenommen werden. Wie ist der Klang der Stimme, wie hört sich das Schweigen an. Wie bewegt sich jemand. Ich denke viele haben schon mal einen Menschen gerochen, der Angst oder gestresst ist. Dies hat in der Regel einen sehr intensiven Geruch zur Folge.

Wissenschaftler haben z.B. herausgefunden, dass Zellen Licht emittieren. Alles Informationen, auf die wir in der bewussten Ebene keinen grossen Einfluss nehmen können. Häufig versuchen wir sie sogar zu übertünchen, in dem wir Deos und Parfums auflegen oder uns z.B. in grosse weite Pullover und Hosen kleiden.


Was gibt es noch? Es gibt eine höhere Ebene, in der wir verbunden sind, die wir noch nicht ansatzweise erforscht haben. Quantenmechanik z.B. die Verbindungen über unbestimmte Entfernungen ermöglichen. Die Zeit als Faktor der Informationswiedergabe. Menschen die z.B. viel Zeit zwischen Sätzen lassen oder in ihrem Handeln plötzlich stocken. Räumliche Faktoren z.B. die mir zeigen, wie ein Mensch steht. Ist er weiter weg, weicht er vor mir zurück, oder kommt er mir sehr nahe. Mit all diesen Möglichkeiten und Informationen zeigen wir uns und wir haben seltensten vollkommene Kontrolle über die Dinge, die wir da aussenden.


Ist ein Mensch dafür offen und „sieht“, “spürt“, oder „fühlt“ diese Informationsflut bewusst oder unbewusst, dann macht dies etwas mit ihm. Ein Mensch, der auf mich irgendwie aggressiv oder traurig wirkt, obwohl er doch scheinbar gar nichts macht und mir nur im Zug gegenübersitzt. Oder eine Verkäuferin, die sehr freundlich erst einmal wirkt, aber irgendetwas ist nicht stimmig, da mir nur eine Maske serviert wird und im Hintergrund steht etwas ganz anderes.


Wir haben nicht gelernt mit diesen Formen der Information umzugehen. Wir bekommen dies nicht beigebracht, denn wir haben selbst schon in unserer Kindheit mit diesen vielen Informationen etwas machen müssen. Wir haben mitbekommen, dass unsere Eltern gestresst sind, dies aber nicht benannt bekommen. Selbst unsere Eltern wussten nicht, welche Informationen sie unbewusst aussenden. Und dann haben wir mangels besseren Wissens es auf uns bezogen. Kinder sind noch viel mehr mit ihrem Körper verbunden und „spüren“ noch wesentlich intensiver und unbewusster diese Informationsflut, reagieren so wie sie eben reagieren.


Wenn Eltern sich vorstellen, etwas vor ihren Kindern verheimlichen zu können, irren sie sich. Man kann Kindern nichts verheimlichen. Man kann Menschen nichts verheimlichen. Wir können nur einen Filter auf unsere Wahrnehmung und unser Gefühl legen und wegschauen. Wir lassen uns manchmal blenden von unserem Gegenüber. Doch wenn wir mehr auf unser „Gefühl“ vertrauen würden und uns für diese Welt öffnen, können wir der Wahrheit viel tiefer ins Auge blicken. Und wir treten somit mit jedem in Verbindung.


Wenn ich mein Gegenüber „sehe“ und ich mich dafür öffne, gehe ich in Verbindung und nehme an seinem Leben teil. In seinem Schmerz, in seiner Freude, in seinem Gefühl. Und wir dürfen es als Geschenk ansehen, auch wenn dies mein Gegenüber vielleicht gar nicht so spürt.


Ich sehe dich, ich öffne mich, ich bin in Verbindung mit dir.


https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/biophotonen-das-raetselhafte-leuchten-allen-lebens-a-370918.html


Sascha




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